Dabei hatte ich Euch doch ein paar Tage zuvor davon berichtet, wie gut ich mich mit Annika verstehe.
Und dann passierte mir am 27. September doch tatsächlich etwas, das mir hinterher wirklich leid tat.
Aber ich berichte erstmal von vorn.
Dani, Andi und Annika waren den ganzen Nachmittag nicht zuhause. Zuerst waren sie zum Wählen (keine Ahnung, was die wählen sollten, aber in diesem Jahr waren sie verdammt oft weg deshalb!), danach sind sie zu Andreas' Eltern gefahren.
Als sie dann abends nach Hause kamen, rochen sie selbstverständlich irgendwie anders. Aber den Geruch kannten Pete und ich ja schon.
Andi und Annika haben sich ins Bett gelegt, der Fernseher ging an... Annika war in ordentlicher Quatschlaune und krähte eine ganze Weile vor sich hin. Andi musste den Fernseher schon lauter machen, weil er nix verstehen konnte. Ich hab mich zu den beiden gelegt und wurde schön gekrault. Das tat gut und ich habe angefangen zu schnurren.
Dann kam Dani ins Spiel. Sie pustete Annika auf den Bauch, was bei der Kleinen natürlich kleine Lachanfälle auslöste. Ich saß daneben und habe das Spiel beobachtet. Sah aus wie bei Pete und mir, wenn wir uns balgen. Und war ja auch irgendwie ganz logisch: Dani und Andreas sind nun mal die Ranghöchsten in der Familie, und auch eine Annika muss sich da unterordnen. Da kann man dem kleinen, haarlosen Wesen nicht früh genug beibringen.
Tja, und dann passierte das, was uns allen den Abend versaute.
Annika lag bäuchlings auf Daniela... und ich traute meinen Augen nicht! Wie konnte diese kleine Person es wagen, unser Frauchen zu unterwerfen!? Da musste ich intervenieren. Ich kam näher... guckte... schnupperte... und mit einem gezielten Doppelhieb auf den kleinen Glatzkopf wollte ich Annika in die Schranken weisen. Denn so geht es ja nun nicht.
Ich hab nicht feste zugepatscht, auch meine Krallen habe ich eingezogen gelassen. Okay, die "Daumenkralle" stand wohl etwas vor, aber daran kann ich leider nix ändern.
Jedenfalls ging dann alles durcheinander. Annika schrie wie am Spieß, Dani sah mich entsetzt an und Andi gab mir einen Klaps auf die Schnute. Puh, damit hatte ICH jetzt nicht gerechnet. Das alles passierte innerhalb von zwei Sekunden.
Hab einen Puschelschwanz gemacht und mich ratz-fatz verzogen. Mensch, da will man Euch nur helfen, damit die Kurze Euch nicht irgendwann auf der Nase rumtanzt... und dann so eine Reaktion. Undankbares Volk!
Der Abend war auf jeden Fall gelaufen. Andreas hat anschließend viel telefoniert, Dani hat geheult, Pete war auch ziemlich verstört von der Aktion. Annika hatte nach kurzer Zeit wieder gelacht und war dann anstandslos schlafen gegangen.
Ein paar Tage lang war es richtig komisch. Ich hab mich an Annika nicht mehr ran getraut, allerdings bekam ich auch nicht viel Gelegenheit dazu. Andreas hat mich mit Argusaugen beobachtet, wenn ich mal in seine und Annikas Nähe kam. Dani war da etwas relaxter, hat mich immer schön gestreichelt, aber ich hatte das Gefühl, sie war auch etwas auf der Hut.
Manno, dabei meinte ich es doch gar nicht böse! Hätte ich der Kleinen was tun wollen, hätte ich alle Krallen ausgefahren. Aber ich hab doch nur so zugepatscht, wie ich das bei meinem Kumpel Pete auch mache, wenn wir uns raufen. Der macht komischerweise dann nicht so ein Geschrei... Okay, er hat auch mehr Haare als Annika.
Naja, seit diesem Abend hat sich jedenfalls einiges verändert:
Nachts dürfen Pete und ich nicht mehr ins Kinderzimmer. Das ist aber auch nicht so schlimm, denn unser großer Kratzbaum im Schlafzimmer, wo wir sonst geschlafen haben, wurde zwar abgebaut, aber wir haben jetzt zwei neue Wandliegemulden dort, die ziemlich weit auseinander hängen. Da unsere Liegemulden am alten Kratzbaum so dicht beieinander waren, habe ich mich von Pete ja öfter mal etwas bedrängt gefühlt, wenn er schlafen kam. Oftmals war er nämlich auch in Streitlaune. Wir mussten uns zwar erst ein paar Tage daran gewöhnen, aber mittlerweile schlafen wir dort ganz gerne und auch viel ruhiger.
Ansonsten gibt es viele Streicheleinheiten (die gab es ja vorher auch schon) und ich habe auch mehr Lust auf Spielen mit Andi oder Dani. Mein Lieblingsspielzeug ist der Catdancer, da drehe ich richtig auf.
Ich habe jetzt auch verstanden, dass das bei den Menschen nix zu sagen hat, wer beim Toben oben oder unten liegt. Neulich lag Annika noch mal auf Andis Bauch und ich wollte schon wieder eingreifen... Aber dann ist mir eingefallen, was beim letzten Mal passiert ist und ich bin dann lieber abgehauen, damit ich mir das nicht mit angucken muss.
Liebe Freundin Annika, es tut mir echt leid wegen der beiden kleinen Ratscher an Deinem Kopf. Und, dass ich Dich, Andi und Dani so erschreckt habe an dem Abend. Ich hatte es nur gut gemeint, aber leider nicht dran gedacht, dass zwischen Menschen und Katzen doch noch ein Unterschied besteht.
Ich hoffe, wir könenn weiter Freunde bleiben!
Deine Cleo
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